St. Servatius

Immendorf

Immendorfer Hauptstr. 22

50997 Köln

 948              Erste urkundliche Erwähnung

1842              Erweiterung durch einen saalartigen Anbau

1873              Alte Kirche niedergelegt

1874              Neubau nach den Plänen von August Lange

 

 

Die Geschichte einer alten Kirche

948 - 2007

    
       

Wer die letzten Stufen zum Friedhof hochgeht, sollte am Tor kurz verweilen und sich umschauen. Der Blick fällt auf den Hang des Heidenberges (auch „Mostberg“ genannt) in Richtung Zaunhof. Früher floß dort unten, wo „Hauptstraße“ und die Straße „Am Moosberg“ verlaufen, ein Teil des Rheins. Heute ist von diesem Rheinarm (der hinter Hersel das Hauptbett verließ und zwischen Berzdorf und Brühl sowie zwischen Meschenich und Immendorf bis zur Marienburg floß, wo er zwischen Marienburg und Rodenkirchen wieder in sein Hauptbett mündete) nur noch der Entenfang als kläglicher Rest übriggeblieben. Ohne ihn hätte Clemens August keine Reiher von Falkenlust aus jagen können und die Meschenicher wären nie zu ihrem Spitznamen „Krade“ (Frösche) gekommen.
Der Heidenberg ist die höchste Erhebung weit und breit an diesem ehemaligen Rheinarm und das muß auch der Grund gewesen sein, warum hier so eine alte kirchliche Stätte entstanden ist. Wir wissen wenig, besser gesagt nichts, warum gerade hier eine so bedeutende Kirche steht. Alles liegt im Dunkel der Geschichte. Es ist aber erlaubt, die Phantasie spielen zu lassen.
Als die Kirche das erste mal 948 erwähnt wurde, da bestand die Kirche schon und sie war so gut dotiert, daß Erzbischof Wikfried sie 948 an das Kloster St. Severin verschenkte. Die Mönche sollten sich nicht mehr um ihren Broterwerb kümmern müssen. D.h. durch den Zehnten, den die Kirche von Immendorf von allen Bauern des großen Pfarrbezirkes erhielt, hatte sie hohe Einnahmen.
Die Germanen, aber auch die späteren Bewohner die Franken huldigten, bevor sie Christen wurden, ihren Göttern gern an besonderen Orten. Denken wir einmal an die Donar-Eiche, die der Hl. Bonifatius fällte. Sie glaubten, daß ihre Götter auf Lichtungen, besonders großen Bäumen etc. wohnten. Der Heidenberg ist die größte Erhebung, vielleicht war er auch im Gegensatz zu seiner Umgebung nicht bewaldet. Dies könnten Gründe gewesen sein, dort eine Kultstätte zu errichten.
Später kam ein Missionar, u.U. sogar St. Severin persönlich, zerstörte die Opferstätte und errichtete einen christlichen Bildstock an der gleichen Stelle. Die alten Fundamente, die so stark waren, daß sie beim Kirchenbau nicht zerstört werden konnten, lassen darauf schließen, daß die Kirche aus einer winzigen Kapelle hervorgegangen sein muß. Die Fundamente der alten „Kirchen“ sind 1968 im Fußboden der Kirche mit helleren Steinen kenntlich gemacht worden. Sie erstrecken sich vom Turm aus in das Mittelschiff. Mitten im Fundament der 1873 niedergelegten Kirche ist ein Umriß als geschlossene Einheit gut zu erkennen. Es kann nur ein Kapellchen gewesen sein. Um dieses Kapellchen herum wurde dann irgendwann bis 948 die kleine romanische Vorgänger - Kirche gebaut.
Heute erhebt sich groß und weithin sichtbar die St. Servatius Kirche, als Dom von Immendorf, über den Ort. Der Prallhang am ehemaligen Rheinarm ist weitestgehend ohne Bebauung geblieben, dadurch ist die Lage der Kirche noch exponierter.
„Dom von Immendorf“, klingt überheblich. Das mag richtig sein, wenn sie in Kölner Dimensionen denken. Aber es gibt eine Anzahl von Gemeinsamkeiten, die, wenn auch in bescheidenerem Maße, einen Vergleich erlauben.
Sichtbar ist für den Besucher, daß die Kirche eine eigene Hausnummer hat. Sie ist links oben neben dem Seiteneingang angebracht. „Hauptstr. 38“, war die alte Anschrift, bevor die Kirche die Anschrift des Pfarrhauses „Immendorfer Hauptstraße 22" erhielt. Die alte Hausnummer wurde vergessen und hängt noch immer an der alten stelle. Selbst alte Immendorfer haben sie noch nie bemerkt.
Dann die Lage der Kirche, auch der Dom steht auf einem Hügel.
Unter dem Fußboden befinden sich Fundamente älterer Kirchen, wie wir gerade erfahren haben. Wie im Dom. Vielleicht sogar eine heidnische Kultstätte, wenn, dann wahrscheinlich bescheidener als der Mercurius Tempel unter der Domkirche.
Um die Kirche erstreckt sich ein alter Friedhof, so alt wie die Kirche selbst, der heute noch als Begräbnisstätte dient, wie in Köln der Ehrendomherren-Friedhof neben dem Dom.
Im Laufe der Kirchengeschichte wechselte mit dem Kirchenpatron auch der Kirchenname. Eine sehr seltene Begebenheit. Aus dem ehemaligen Hildeboldt Dom wurde der heutige, dem Hl. Petrus geweihte Dom.
Die Kirche hatte eine große Bedeutung. Ihr Einzugsgebiet reichte von Rodenkirchen, das damals zum Herzogtum Bergh und nicht zum Kürfürstentum Köln gehörte, den Bischofsweg entlang (heute etwa Zugweg) bis einschließlich Raderthal und Raderberg nach Immendorf. Rondorf, als Sitz der Kommunalverwaltung gehörte zur Pfarre Immendorf, ebenso wie Godorf, Weiß (das kirchlich zu Sürth gehörte, Sürth wiederum zu Immendorf), Sürth und im letzten Jahrhundert auch noch Meschenich für einige Jahrzehnte.
 
- Als erste Pfarrei löste sich Sürth 1827 von der Immendorfer Mutterkirche und wurde selbständig. 1807 kam Meschenich zu Immendorf, am 16.10.1834 wurde Meschenich wieder eigenständige Pfarrei. 1867 wurden Raderthal, Arnoldshöhe und Zollstock der Rektoratskirche Bayenthal zugeordnet. Alle Gemeinden gehörten aber noch bis 1888 zu Immendorf, bevor sie teilweise selbständige Pfarreien wurden. Raderthal erlangte den Pfarr - Status erst 1901, bis dahin war Raderthal noch Rektorat. Arnoldshöhe und Zollstock wurden dem Rektorat Zollstock zugewiesen, am 9.08.1908 wurde St. Pius eigenes Rektorat und am 4.10.1912 selbständige Pfarre. Die Rektoratspfarre Hl. Geist wurde am 8.12.1931 von St. Pius abgetrennt. Godorf verließ die Immendorfer Mutterpfarre 1906 und Rondorf erst 1919. Im Jahre 1887 gehörten zur Pfarre: Immendorf selbst (mit 329 Seelen ), Giesdorf (18), Rondorf (623), Godorf (424), Höningen (81), Neuenhof (12), Hochkirchen (20), Raderthal (437), Raderberg (185), Arnoldhöhe (107), Mannsfeld (57) und Zollstock (77). Von weit her kamen die Pfarrangehörigen zum Gottesdienst, Autos gab es nicht und so mancher hatte einen Fußweg von 1 Std. -
 
Auch als Pilgerkirche war Immendorf bekannt und beliebt. Der Hl. Servatius war ein sehr beliebter Heiliger, zudem gab es in Immendorf sogar den Ablaß aller Sünden.
Sie sehen, wenn auch viel bescheidener, die Immendorfer Kirche hat schon einiges mit der Hohen Domkirche gemeinsam.
Durch den Zuzug von immer mehr Menschen im Anfang des letzten Jahrhunderts, reichte die Kirche nach 900 Jahren nicht mehr aus, um alle Gläubigen zu fassen. Der Kirchenvorstand suchte eine preiswerte Lösung, die Kirche zu vergrößern. Geld war nach der französischen Besetzung nicht mehr viel vorhanden. Es waren Papiere verlorengegangen, die auch über Prozesse nicht wieder zu erlangen waren. Das Kirchenvermögen war verloren.
Zuständig für den Kirchbau war auch nach der preußischen Besetzung die Kommunalverwaltung. Also, beschloß der Kirchenvorstand am 18ten July 1838 einstimmig:
 
Es wurde der beengte Raum unserer Kirche in Beratung genommen und einstimmig beschlossen, einen Antrag an den Herrn Bürgermeister zu machen mit der Bitte, gütigst dahinwirken zu wollen, uns durch den Communal-Baumeister Herrn Schopen einen Plan sowie Kostenanschlag entwerfen laßen zu sollen, um auf dem Petitionswege bei der Königl. Hochl. Regierung die Genehmigung der beabsichtigten Vergrößerung unserer Kirch erreichen zu können."
 
Nach dem Kostenvoranschlag rechnete der Kirchenvorstand mit etwa 2.000 Thalern. 1.000 Thaler sollten durch ein Darlehen aufgenommen werden, weitere 1.000 wollte die Kommunalverwaltung zur Verfügung stellen.
Scheinbar lief aber nicht alles so, wie der Kirchenvorstand es sich vorstellte, denn im Juli 1840 bat er Landrat Simons, daß er die Arbeiten durch einen Bauinspector erledigen lassen solle. Der Kirchenvorstand hoffte, nun endlich beginnen zu können.
Endlich, am 10. Mai 1841 konnte durch Pastor Nellessen der Grundstein unter Assistenz der Vikare Schörder und Hund gelegt werden.
 
Der Chor der kleinen romanischen Kirche wurde aufgebrochen und durch einen saalartigen Anbau nach Osten verlängert. Drei Fenster hatte das verlängerte neue Hauptschiff nun. Die Decke war eine Holzkonstruktion ohne Gewölbe. Die Fenster des Anbaus sind noch heute Bestandteil unserer Kirche. Es sind die ersten drei Fensterteile vom Turm aus. An das Langschiff schloß sich ein kleiner Chor an. Er lag etwa dort, wo heute unser Langschiff vor den Seitenschiffen endet. Hinter dem Altar war ein Gang durch den der Pastor in die hinterliegende quadratische Sakristei gelangen konnte. Der Gang / Flur hatte eine Tür zum Friedhof hin.
Säulen hatte das Hauptschiff noch keine.
Am 10.Oktober weihte der Brühler Dechant Steinbüchel den neuen Anbau ein. Da 1842 scheinbar noch Geld vorhanden war, wurden noch einige Umbauten und Anschaffungen vorgenommen. Wahrscheinlich wurde jetzt die Kanzel eingebaut. Die Sakristei wurde neu eingerichtet. Es wurde u.a. der Schrank, der heute im Pfarrheim steht, angeschafft, andere Schränke wurden umgebaut. Eine Kommunionbank wurde angefertigt, die bis an das Chorgestühl, welches wohl früher im Chor stand, heranreichte. Mehrere Kirchenbänke (die heute noch das Mittelschiff zieren) mußten angeschafft werden, da sie nun nach der Kirchenvergrößerung nicht ausreichten.
Später, 1852, wurde in den Turm eine zweite Türe geschlagen, als Türsturz wurde ein Wappenstein verwendet, der das Wappen der Familie von Geyr zeigte. Er stammte vom "Gut Neuenhof", der 1737 von der Pächterfamilie Beywegh an die Familie von Geyr überging. Als das Hofgebäude 1841 abgerissen wurde, kam der Stein nach Immendorf. Er verschwand nach dem Abriß des alten Turmes.
Ein Zeitzeuge schrieb, daß der Eindruck der Kirche mit dem Anbau noch jämmerlicher sei als vorher und nun die Schäden an der alten Bausubstanz noch offensichtlicher würden.
Gleicher Ansicht war wohl auch der Kirchenvorstand, denn bereits 1864 begann die Spendensammlung für eine neue Kirche.
Zunächst wurde 1845 beklagt, daß die Pfarre durch ihre flächenmäßige Größe und der Vielzahl der neuen Siedler in "höchste Noth" geraten wäre. In Ermangelung einer zweiten Vikarstelle könnte sonntags nur eine Messe gefeiert werden. Der Platz reichte scheinbar immer noch nicht für alle Gemeindemitglieder. Damals gingen alle, es gab kaum Andersgläubige, zur Sonntagsmesse.
Das Generalvikariat wies der Pfarre den Vikar Sühs für Godorf zu. Gleichzeitig sollte dieser in der Pfarrkirche die sonntägliche Frühmesse abhalten. Mit diesem aber gab es laufend Probleme. Er erschien zu "Misgefallen der Pfarrgenossen" nicht zum Frühgottesdienst, auch entschied er selbst, daß die Witterung schlecht sei. In diesem Falle wurde für einen Teil der Gemeinde der Gottesdienst "bey der Kapelle"(Godorf) abgehalten. Die Gemeinde lebte in ständiger Ungewißheit, ob die Witterung nun gut oder schlecht sei. War nun Frühmesse in der Pfarrkirche oder nicht.
1871 bat der Kirchenvorstand Baumeister Nagelschmidt um ein Gutachten und einen Plan für den Kirchenneubau, unter Erhalt der drei neuen Fensterteile.
Nagelschmidt legte einen Plan vor, der zwar dem Kirchenvorstand gefiel, aber Gott sei Dank nicht dem Generalvikariat. Er wollte die Fensterteile einfach duplizieren und drei weitere Fensterteile mit einem Turm in Richtung Westen anbauen, wobei der neue Teil wesentlich höher werden sollte und der Turm asymmetrisch nach Süden eingeplant war.
Ein anderer Plan sah ein Langschiff mit insgesamt 8 Fensterteilen vor, ebenfalls ohne Seitenschiffe. Ein langer Schlauch wäre so entstanden.
Dann legte am 5.Januar 1873 Architekt August Lange seine Pläne zur Freude des Kirchenvorstandes vor. Er plante die jetzige Kirche mit Kreuzschiff, Gewölbe, zwei Sakristeien und nur einem weiteren Fensterteil. Das Ergebnis kann jeder besichtigen.
1873 hatte die Gemeinde 15.000 Mark zusammen (9.000 Mark Spenden und 6.000 Mark Zinsen aus der Stiftung Bernhard Claren, Gutsbesitzer zu Stein-Neuhof). Zusätzlich wurde eine Anleihe zu 27.000 Mark aufgelegt, der Bau konnte beginnen.
Im Frühjahr 1873 wurde die alte Kirche niedergelegt, Chor und neugebaute Sakristei ebenfalls. An die drei Fensterteile wurde eines in gleicher Ausführung östlich angebaut, es folgten die beiden Seitenschiffe mit dem Chor und daneben die beiden Sakristeien zur nördlichen und südlichen Seite. Der neue quadratische Turm, mit rheinischem Rautendach, steht da, wo früher Turm und der erste Teil des Langschiffes standen.
Das Langschiff wurde nun dreiteilig und erhielt acht korinthische Säulen, auf denen nunmehr ein Gewölbe ruht.


Ende des Jahres 1873 waren Turm und Mittelschiff im Rohbau fertig. 1874 folgten die restlichen Teile und das schiefergedeckte Dach, das ursprünglich auf jeder Seite vier Dachgauben trug. Nach dem II.Weltkrieg wurden sie nicht wieder eingebaut.

Pastor Pauli fertigte eine Grundsteinurkunde. Am 18. Mai 1874 nach 16.00 Uhr fand die Grundsteinlegung unter dem Mittelfenster der Apsis statt. (Bei der großen Renovierung 1967 wurde die Urkunde entnommen. Sie befindet sich im Archiv.) Anwesend waren für den verhinderten Dechanten Borrisch aus Brühl, der Definitor Pastor Jonen aus Meschenich, die Pastöre Leken (Sürth), Rosellen (Fischenich) und Marx (Berzdorf). Ferner die Vikare Kallen und Giesen aus Godorf bzw. Sürth sowie Architekt August Lange.
Ende des Jahres 1874 war die Kirche vollendet.
Wegen der Inhaftierung des Erzbischofes Paulus Kardinal Melchers fand keine feierliche Einweihung der Kirche statt. Erst am 29.04.1894 wurde die Weihe durch Weihbischof Hermann Joseph Schmitz nachgeholt.
Interessant ist, daß durch einen Blitzeinschlag in den Kirchturm am 18.06.1879 ein großes Stück eines Balkens vom neuen Glockenstuhl weggerissen wurde.
Da die Kirche sich innen noch in einem rohen / schmutzigen Zustand befand, beschloß der Kirchenvorstand 1883, die Kirche innen ausmalen zu lassen. Erst 1887 war es soweit. In der Zeit dazwischen wurde wahrscheinlich das notwendige Kapital angesammelt.

Die Innenbemalung erfolgte im romanischen Stil. In der Kuppel über dem Chor blickte „Gott Vater“, eingerahmt in ein Medaillon und flankiert von zwei Engeln, ernst auf seine Pfarrkinder. Hans-Heinrich Wery erzählte, daß es für ihn als Kind etwas beängstigend gewesen sei, da er dem ernsten und durchdringenden Blick in der ganzen Kirche nicht ausweichen konnte. Gott sieht alles.

 
- Durch die erheblichen Renovierungsarbeiten nach dem Krieg und dem veränderten Geschmack wurde die Innenbemalung in den 50iger Jahren übermalt. Die Kirche wurde weiß gestrichen und durch den Brühler Restaurator Gangolf Minn mit einigen feinen Ornamenten versehen. Nach der Renovierung 1971 war die Kirche ganz weiß, während sie nach der Renovierung 1989 ihre jetzige Ausmalung bekam. Weiß auf Decken und Wänden, hellgrau mit weißen gemalten Fugen die Pfeiler und rosa die Säulen.-
 
1928 bekam die Kirche elektrisches Licht.
Zur Reparatur des „im höchsten Maße schadhaft gewordenen Daches“ stellte der Kirchenvorstand 1933 einen Antrag auf einen Reichszuschuß. Erst am 10. April 1936 fand eine Ortsbesichtigung durch den erzbischöflichen Konservator Dr. Schumacher statt. Im August des gleichen Jahres wurden das Dach für ca. 5.800.- RM und der Turm für ca.1.600.- RM saniert. Für ein Gerüst waren weitere 950.- RM bereitzustellen. Auch die Sakristeien wurden renoviert. Einen Teil der Kosten in Höhe von 5.000.- RM finanzierte die Gemeinde durch eine Anleihe. Für den Rest wurde ein Antrag an das Erzbistum gestellt, um auf die Kollekte zurückgreifen zu dürfen. Altzink und -blei wurden der Dachdecker Firma in Abzug gebracht.
Im Oktober 1938 richtete ein Sturm große Schäden am Turm an.
Im März 1939 wurden starke Verwitterungen in und an der Kirche festgestellt. Größere Feuchtigkeitsschäden waren vorhanden. Isolierung und Heizung waren defekt. Der Schiefer war defekt. Es wurde wieder ein Antrag gestellt, diesmal um Mittel aus dem Fonds für bedürftige Kirchen zu erhalten. Der Kostenvoranschlag lautete auf rund 9.300.- RM.
Ob und was genau repariert werden konnte, geht aus den Büchern nicht hervor, allerdings ist an der Kirche etwa in Kniehöhe eine rundum laufende Isolierschicht zu erkennen. Sie ist damals mit im Kostenvoranschlag genannt und dann wohl auch eingebaut worden sein.
Der II.Weltkrieg begann und ging diesmal nicht spurlos an unserer Kirche vorbei.
1941 und 1942 werden nicht nur die Fenster zerstört. Ständige Luftangriffe mit einer Vielzahl von Bomben auf den Ort und die nähere Umgebung hinterließen im ganzen Ort ihre traurigen Spuren. Es ging dabei auch nicht ganz ohne Schäden für das Kirchengebäude ab.
Überall waren Löcher im Dach. Es zog und regnete rein. Eine Säule wurde beschädigt.
Dann, am Mittwoch den 07.03.1945, der Tag bevor Immendorf durch die Amerikaner von der Naziherrschaft befreit wurde, traf ein Artilleriegeschoß der anrückenden, bei Meschenich stehenden amerikanischen Soldaten im Kirchturm die Glocke. Der Glockenkörper stürzte in das Gebälk, die Krone blieb im Turm hängen. Der Turm wies große Löcher auf, die heute noch deutlich zu erkennen sind. Die Amerikaner vermuteten richtigerweise Artillerie-Beobachter im Turm. Diese verhinderten durch ihre Anwesenheit das rechtzeitige Hissen der "Weißen Flagge".
Zwei Immendorfer verließ nämlich der Mut, als sie die deutschen Soldaten im Turm bemerkten.
Eine deutsche Granate, von der anderen Rheinseite (die deutsche Artillerie hatte bereits am anderen Rheinufer Stellung bezogen) abgeschossen, schlug in die Kirche, praktisch unmittelbar vor Kriegsende, mitten in die Vierung ein und verursachte größere Schäden. Die Säule links (nördlich) vor dem Querschiff stürzte dabei um, aber das Gewölbe hielt.
 
- In einem Schreiben an das Erzbistum vom 22.06.1950 stellte der Kirchenvorstand nochmals die vorhandenen Kriegsschäden zusammen. Neben den Beschädigungen am Turm (z.B. durch den Granattreffer) und den erheblichen Schäden am Dach, waren Teile des nördlichen Gesims heruntergefallen. Bei weiteren Schäden am Gesims drohte schlimmstenfalls der Einbruch des Daches.
Im stark beschädigten Gewölbe breitete sich der Schwamm aus. Die nördliche Eingangstüre war vollständig vernichtet, sie stand offen.
Die Schäden am Dach waren direkt nach Kriegsende mit Dachpappe und Zinkplatten notdürftig ausgebessert worden. Je länger gewartet wurde, desto größer war die Gefahr, daß die Substanz des Gebäudes zerstört würde.
Bei nur 440 Seelen herrschte natürlich eine finanzielle Ebbe in der Kirchenkasse. Jeder hatte noch genug Schäden am eigenen Haus zu beseitigen, trotzdem hatten die Immendorfer schon fleißig an der Beseitigung der gröbsten Schäden mitgeholfen, soweit die Arbeiten in Eigenleistung erbracht werden konnten. Auch so manche Mark konnte der Pastor aus den Spenden für den Erhalt der Kirche ausgeben. Es hat sich immer gezeigt, bis in die heutige Zeit, daß die Immendorfer sehr an ihrer Kirche hängen und bereit sind, auch persönliche bzw finanzielle Opfer auf sich zu nehmen, wenn es um „ihre“ Kirche geht. -
 
Am Sonntag, dem 15.04.1945 wetterte der Pastor von der Kanzel und beschwerte sich über Diebe, die das Verschalholz der Kirchenfenster gestohlen hatten. Es würde dringend zur Verschalung der Gewölbe benötigt. Er drohte: „Wo ich in einem Hause solches Holz finde, das ohne Erlaubnis weggenommen worden ist, werde ich den Dieb behandeln so, wie man Diebe zur Gewissenhaftigkeit erzieht".
Am Freitag, dem 20.04.1945 wurden Steine (teilweise im Tausch gegen Lebensmittel) auch für die Kirchenreparatur durch Fuhrwerksbesitzer und Helfer besorgt. Durch eine Menschenkette wurden die Steine bis zur Kirche geschafft.
Für die ersten notwendigsten Reparaturen hatte der Pastor Geld beschafft. Er besorgte evakuierten UK-Arbeitern - dank seiner Beziehungen zur Besatzungsmacht - Reisebescheinigungen, damit sie nach Hause fahren konnten. Sie zeigten sich dafür wohl recht großzügig.

Bereits 1951 konnte das Dach vorerst mit Zinkplatten neu eingedeckt werden, auch der 45 m hohe Turm wurde komplett eingerüstet und restauriert. Das Turmdach wurde neu eingeschiefert, die Fugen wurden neu ausgeschmiert und die Schallfenster erneuert. Die Mittelstreben, die beim Beschuß zerstört wurden, wurden erneuert.

Mit Geld aus Grundstücksverkäufen in Hürth (für Siedlungszwecke) und 15.000.- DM vom Erzbistum mußte 1953 eine Holzbocksanierung am Dachgebälk der Kirche, dem Pastorat und den Nebengebäuden durchgeführt werden. Ursprünglich war das Geld für die Außensanierung der Kirche und der Neuverfugung des Mauerwerkes gedacht. Aber die Holzsanierung hatte unbedingten Vorrang. So mußten die Außenarbeiten verschoben werden, vor ihrer Ausführung konnte aber auch innen nicht begonnen werden.

 

Als 1966 durch den Architekten Ludger Kösters mit der großen Renovierung begonnen wurde, stellte sich heraus, daß das Gewölbe herunter zu stürzen drohte. Die Arbeiten wurden eingestellt, bis das Gewölbe gesichert war. Da die Kirche nun für längere Zeit nicht für den Gottesdienst zur Verfügung stand, beschloß der Kirchenvorstand schweren Herzens im Saal Knop (dem heutigen Saal Amigo) eine Notkirche einzurichten. Der Altar wurde auf die Bühne gestellt und vom 20.August 1966 bis Weihnachten 1967 feierte die Gemeinde dort den Sonntagsgottesdienst. Wochentags wurde die Messe in der Sakristei gefeiert.
Beim Ausbau der Heizungskanäle stießen die Handwerker auf die alten Fundamente der Vorgängerkirchen. Es wurde beschlossen, sie für die Nachwelt sichtbar zu erhalten. Steinmetzmeister Eich aus Köln, der den Fußboden in Basaltlava auslegte, verlegte über den Fundamenten einen helleren Basaltlavastein.
Endlich waren 1972 die Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen. Die Schlußrechnung lautete auf die stolze Summe von 594.401,14 DM. Neben großen finanziellen Eigenleistungen der Gemeinde, spendete der Kirchbauverein einen Teil der Innenausstattung, wie Altar, Sakramentshäuschen und Kreuzigungsgruppe.
Der alte Kreuzweg, der nach der Kirchenrenovierung in den 50iger Jahren nicht mehr in die Kirche zurück fand, wurde 1981 durch einen neuen ersetzt. Heinz Vonknechten, der nach schwerer Herzkrankheit sich der Kunst widmete, erstellte einen neuen Kreuzweg in Hinterglasmalerei, da der alte Kreuzweg unauffindbar blieb. 1993 kaufte Pastor Eßer einen Kreuzweg, der dem alten ähnelte und zum Stil der Kirche paßt. Umstritten war, wie bei fast allen Neuerungen, der eine wie der andere. Heute gehört er zum Bild der Kirche wie selbstverständlich dazu.
1989 wurde die Kirche renoviert. Sie erhielt neben einer besseren Isolierung, die bereits erwähnte jetzige Ausmalung.
2005/2006 fand die nunmehr letzte Renovierung der Kirche statt. Die komplette Kirche wurde neu ausgefugt und das Fundament saniert. Der Dachstuhl von Turm und Kirchenschiff wurde ausgebessert und die Dächer mit neuem Schiefer eingedeckt. Zum Abschluß ist der Innenanstrich teilweise erneuert worden.
Damit ist aber noch kein Ende, wie am Dom werden auch an unserer Kirche immer wieder bauliche Maßnahmen notwendig sein, soll sie unseren Kindern erhalten bleiben. Auf Gemeinde und Kirchbauverein, kommen auch weiterhin große finanzielle Ausgaben zu.
Unsere Kirche, die bereits 1982 unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist das Juwel von Immendorf.

Quelle: Kirchenarchiv St. Servatius