Artikel: Die Seligpreisungen

12.11.20, 17:39
Reinhold Steinröder

Die  „S e l i g p r e i s u n g e n“ leiten die sog. `Bergpredigt´ beim Evangelisten Matthäus ein. Sie sind ein eigenes Kunstwerk, gegliedert in zwei Teile, bestehend aus je vier „Selig“ – Rufen. Der 9. Ruf, etwas ausführlicher, bildet den Abschluss.

Teil 1: MT 5, 3 – 6

„Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.“

„Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.“

„Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.“

„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.“

Teil 2: MT 5, 7 – 10

„Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

„Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.

„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

„Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das 

Himmelreich.“

Teil 3 – Abschluss: MT 5, 11 – 12a

„Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.“ Alle neun Selig- Rufe sprechen menschliche Haltungen an, Haltungen gläubiger Menschen. Z. B.: `Arm sein vor Gott, sanftmütig sein, barmherzig sein, Friedenstiften, Glaubenszeugin / -zeuge für Christus sein…´ Jesus erfindet diese Haltungen nicht neu; er kennt sie aus dem Leben, Glauben und der Geschichte Israels, des Volkes, dem er angehört. 

 

Jesus reformiert u. bekräftigt diese Glaubenshaltungen in der folgenden Berg-Predigt. Nachzulesen sind sie bereits in den Prophetenbüchern und vielfältig in den Psalmen. Sie sind schon eh und je Antwort auf die Zuwendung Jahwes zu seinem ersten Volk (siehe auch Abraham und Mose). Die Haltungen der Selig – Rufe sind v. a. Antwort auf die `Thora´, die Gesetze u. Weisungen Gottes (siehe im Buch Exodus u. Deuteronomium). 

„Arm sein vor Gott…“  -  Was Martin von Tours im Bettler findet…

Jetzt stelle ich mir vor, jemand habe den Eindruck oder die Vermutung, dass seien aber `fromme´ Haltungen. Dass sie irgendwie `gottesfürchtig´ dastehen, liegt nahe, allein schon, wenn sie Antwort geben wollen auf Gottes Weisung. Ob die Haltungen der Selig- Rufe mehr sein wollen und können, stellt sich heraus bei der Suche nach ihrer ursprünglichen Bedeutung…

„Selig, die  a r m  s i n d  v o r  G o t t…”  –  Entschuldigung, so steht es im griechischem Wortlaut nicht, sondern – wenn Sie sich erinnern – „…arm sind im Geiste / dem Geiste nach…“ Nicht der Geist Gottes ist gemeint, auch nicht die Intelligenz des Menschen, sondern der `innere Mensch´, seine Selbstwahrnehmung in Geist u. Herz. Der `Arme´ ist der, der sich vor Gott, seinem Geheimnis beugt, der nüch-tern um sich selbst weiß und doch irgendwie von Gott `berührt´ ist oder auch ergriffen oder…  (siehe das Beispiel von Pharisäer u. Zöllner, LK 18, 9 – 14; und die Berufung des Paulus, Apostelgeschichte, Kap. 9). Das `Arm- sein´ nannten wir früher Demut; es hat auch was mit Respekt zu tun und einer Haltung, die die `Tür offen hält´ gegenüber Mitmenschen und …Gott. Mit `Arm- sein´ meint der gläubige Jude ebenso äußere Armut – materiell - , die so sehr bedrückt und belastet, dass die Bereitschaft des inneren Menschen erliegt und ihm nur der verzweifelte Hilfeschrei bleibt…, wie immer wieder in den Psalmen zu hören und heute von Menschen bei uns und in aller Welt…

Und noch eine Perspektive. Es geht um die Menschen, die ihre Armutssituation als demütigend und aussichtslos begreifen. Ja, sie schauen aus nach Hilfe… Was sonst sollen sie machen ! Ob sie daran glauben…? – Für sie enthält der Selig- Ruf eine Zusage, die schon bei den Propheten (z. B. Jesaja) angesprochen wird. Gott stelle die Situation der „Knieweichen“ u. „Zerschlagenen“ auf den Kopf, indem er ihnen Stand, Selbststand gebe, Stehvermögen und sie aufrichte – wie Papst Franziskus das immer wieder festmacht und praktiziert… (siehe auch Magnificat bei LK 1, 46 – 55)

Dieser Selig - Ruf öffnet eine weite Sicht des „Arm sein vor Gott“.  Martin findet durch den Bettler zu Jesus und auf den Weg des Arm-seins vor Gott.

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